Auszüge aus der Pressemitteilung des Gesundheitsministers Seehofer vom 03. März 1998:
"...Fortlaufende Verbesserungen sind auch bei der Hilfe für Abhängige
notwendig. Dabei gilt der Gruppe der
Schwerstabhängigen die besondere Aufmerksamkeit. ... Nach meiner Meinung
ist die heute schon zulässige
Methadonsubstitution der erfolgversprechendere Weg, wenn sie im Rahmen eines
umfassenden Behandlungskonzeptes
und mit zielgerichteter psychosozialer Betreuung erfolgt. Mit der 10.
Betäubungsmittelrechts-
Ralf Gerlach, Dipl.-Päd., INDRO e.V., 18. August 1998
INDRO e.V.
"...Es ist mittlerweile umfangreich dokumentiert, daß zeitlich befristete
Methadonbehandlungen in aller Regel zum Rückfall
in den Heroingebrauch und zu erneuter Instabilität und Verelendung der
Patienten führen. Nach Methadonentzug muß nach
bisherigem Kenntnisstand selbst bei erfolgreichen (stabilen) Patienten und
selbst nach mehrjähriger Behandlungsdauer
mit einer Rückfallquote von über 50% gerechnet werden (vgl. NEWMAN
1995b). Andererseits ist durchweg und überall auf
der Welt gezeigt worden, daß ein günstiges Ergebnis während der
Behandlung mit Methadon über viele Jahre, ja selbst
über Jahrzehnte, konstant bleibt und daß die Dauermedikation mit
Methadon keinerlei gesundheitliche Schädigungen
bewirkt (vgl. etwa: NOVICK et al. 1993; NEWMAN 1996; KREEK 1996). Conclusio:
Die Substitutionsbehandlung mit Methadon
muß in der Regel als Langzeitbehandlung eingesetzt werden - ganz im Sinne
der "Erfinder".
In diesem Kontext sei angemerkt, daß auch stationäre Langzeittherapien
das Abstinenzziel, hier ja sogar als Primärziel
definiert, nur bei einem geringen Teil ihres Klientels erreichen. Die
Erfahrungen der letzten 25 Jahre abstinenzfixierter
bundesdeutscher Drogenhilfe haben klar gezeigt, daß ausschließlich
abstinenzorientierte Konzepte und Strategien in
Drogenpolitik und Drogenhilfepraxis nur für eine wie auch immer geartete
kleine Subgruppe der Drogenabhängigen eine
adäquate und akzeptable Ausstiegshilfe in Richtung Opiatabstinenz
darstellen (vgl. u.a. SCHLöMER 1996).
Abstinenz ist als Idealziel zwar annehmbar - auch im Rahmen der
Methadonsubstitution. Wer jedoch das Abstinenzziel
als Maxime allen ärztlichen, psychologischen, sozialpädagogischen etc.
Handelns begreift, das zudem in der Regel völlig
undifferenziert für alle Drogenabhängigen gelten soll, ist
realitätsfern angesichts o.g. Erfahrungen und der Tatsache,
daß das Erreichen eines Abstinenzstatus - unabhängig von spezifischen
therapeutischen oder privaten Settings
(Selbstaussteiger)
oft ein nur langfristig zu realisierendes Ziel darstellt, wobei sich Abstinenz
bei manchen
Drogengebrauchern möglicherweise nie stabil einstellen wird. Diese Personen
wären aber im Rahmen einer qualifizierten
ärztlichen Substitutionsbehandlung (vgl. ÄRZTEKAMMER HAMBURG 1996;
ULLMANN 1996) in der Lage, ein gesundheitlich
stabilisiertes und sozial integriertes Leben außerhalb der
kriminalisierten Drogenszene zu führen."