Wut und Angst.
 
 
Der Begriff des Errötens beschreibt die optische Wahrnehmung, daß die Wangenpartien einer beobachteten überwiegend hellhäutigen Person ins Rötliche wechseln.

Dieser Wechsel beruht auf der Ausdehnung von Blutgefäßen und der damit verbundenen Zunahme des Blutvolumens der Hautschichten auf den Wangen.

Errötende können diesen Vorgang als Temperaturzunahme wahrnehmen.

Betrifft dasselbe optische Phänomen auch andere Hautpartien, oder entsteht es infolge starken Alkoholkonsums oder körperlicher Anstrengung sowie durch

dermatologische Erkrankungen, so hat dieses Rot-Werden nicht die spezifische

emotionale Erlebnisqualität des Erythrophobikers um die es hier geht.
 

Schamstimuli und Schamgefühle, beim Erythrophobiker auch schon die Erwartungsangst an das bevorstehende Erröten, können Vasodilatationen, also

Gefäßerweiterungen in den Hautschichten der Wange hervorrufen. Allerdings kann auch beim Erleben von Überraschung, Freude oder Wut eine Durchblutungszunahme erfolgen, wie jeder sicherlich schon selbst erlebt hat.

Ebenfalls zu nennen ist der sog. "Sex-Flush" während des Liebesspiels, eine Hitzewallung, die Brust und Gesicht abrupt rot tönt.

Generell sind fünf Mechanismen für Vasodilatationen verantwortlich, mit jeweils unterschiedlicher Bedeutung für bestimmte Areale und Organe.

Der erste Mechanismus ist das Resultat einer Reduktion des sympathischen gefäßverengenden Muskeltonus und ist mit Freisetzung von Adrenalin und dessen Bindung an spezifische Rezeptoren verbunden.

Areale wie Hand, Fuß, Ohr und Lippe werden von zusammenziehenden Fasern kontrolliert.

Der zweite Mechanismus wird durch aktiv gefäßerweiternde sympathische

Fasern (adrenalingesteuert) vermittelt. Dieser Mechanismus wirkt auf

Unterarm, Nacken, oberer Brustbereich, an Stirn, Schädel und Unterkiefer.

Ein dritter Mechanismus hängt von parasympathischen (also dem ZNS entgegenwirkenden) Fasern ab.

Der Parasympathikus kontrolliert Gehirngefäße und den Erektionsreflex.

Die parasymphatischen Einflüsse auf die Hautdurchblutung sind in der Fachliteratur umstritten.

Der vierte und fünfte Mechanismus ist nicht neurogener (also nervlicher) sondern humoraler (die Körperflüssigkeiten betreffend) Art:

Der vierte Mechanismus hängt mit Schmerzempfindungen in der Haut zusammen (bzw. Ausschüttung eines Neurotransmitters).

Der fünfte Mechanismus ist mit frei im Blut schwimmenden gefäßaktiven Hormonen wie Adrenalin, die bei starker sympathischer Erregung aus dem Nebennierenmark freigesetzt werden, sowie mit Gewebehormonen gegeben.

Welcher dieser fünf Mechanismen für das "soziale" Erröten die Hauptverantwortung trägt ist umstritten und ist für den vorliegenden Beitrag auch nicht relevant, da das Hauptaugenmerk auf die Psychodynamik der Erythrophobie im vierten Teil fallen soll.

Aufgrund neuerer Befunde ist bekannt, daß ein Nachlassen der Sympathiskuserregung nicht der einzige Mechanismus zur Gefäßerweiterung über passive Dehnung sein kann: Eine Durchtrennung der Sympathikuserregungen zum Kopfgebiet bewirkt nur eine geringere Dehnung der Gefäße, als die mögliche Maximaldehnung.

Letztere kann beispielsweise durch gewisse thermoregulatorische Prozesse ausgelöst werden (z.B. durch indirektes Erwärmen des Kopfgebietes durch Eintauchen der Füße in warmes Wasser).

Unklar ist weiterhin welche Rolle die Vasomotorik und die Schweißdrüsenaktivität der Gesichtshaut in diesem Zusammenhang spielt.

Doch zunächst soll überblickartig eine Zusammenfassung einiger Forschungsarbeiten über die Erythrophobie gegeben werden, zurückgehend bis ins 19. Jahrhundert.
 

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