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8. |
Reizstromdiagnostik und Reizstromtherapie |
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8.1. Reizmethoden und Elektrodentechniken
Faradische Reizung
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Neofaradischer Strom (t = 1 ms ; R = 20 ms ; Dreieckimpuls); proximale Anode indifferent(passiv); distale Kathode different(aktiv) als Punktelektrode. |
Galvanische Reizung
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Rechteckimpulse (t = 500 ms ; R = 2000 ms); höchstens 15 mA Intensität; proximale Anode indifferent(passiv); distale Kathode different(aktiv) als Punktelektrode. |
Direkt bipolare Elektrodenanlage
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Beide Elektroden liegen auf dem zu reizenden Muskel nahe den jeweiligen Endsehnen; indifferente Elektrodengrösse; beste Polung durch Umpolen ermitteln. |
Direkt monopolare Elektrodenanlage
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Die indifferente (passive) Anode liegt weit proximal (eventuell im Segment); die differente (aktive) Kathode liegt auf dem Muskelreizpunkt (Tabelle). |
Indirekt monopolare Elektrodenanlage
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Die indifferente (passive) Anode liegt weit proximal (eventuell im Segment); die differente (aktive) Kathode liegt auf dem Nervenreizpunkt (Tabelle). |
8.2. Reizstromdiagnostik und Reizstromtherapie ohne I/t - Kurve
8.2.1. Nervenleitungsprüfung zur Prognostik
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Die Anwendung galvanischen Reizstromes zur Prüfung der willkürlichen Muskulatur. Die zu testende Muskulatur wird zunächst faradisch gereizt. Ist eine faradische Reizung nicht mehr möglich, wird eine galvanische Reizung durchgeführt. Die Prüfung erfolgt immer im Seitenvergleich. Die Auswertung der Prüfung ergibt entweder |
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| den Normalstatus |
d. h. |
eine Impulsserie (faradische Reizung) wird mit einem glatten Tetanus beantwortet, solange Strom fliesst; |
| ein Einzelimpuls (galvanische Reizung) wird mit einer einmaligen, sofortigen Einzelzuckung beantwortet. |
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| oder Abweichungen vom Normalstatus, die als partielle, bzw. totale Entartungsreaktion (EAR) bewertet werden.
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| Reizmethode |
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partielle EAR |
totale EAR |
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| faradisch indirekt |
» |
herabgesetzte Erregbarkeit |
erloschene Erregbarkeit |
| galvanisch indirekt |
» |
herabgesetzte Erregbarkeit |
erloschene Erregbarkeit |
| faradisch direkt |
» |
herabgesetzte Erregbarkeit |
erloschene Erregbarkeit |
| galvanisch direkt |
» |
herabgesetzte Erregbarkeit |
wurmförmige Zuckung |
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8.2.2. Reizstromdiagnostik ohne Erstellung einer I/t - Kurve
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Ist der Faradisationstest, bzw. der Galvanisationstest negativ oder nicht eindeutig zu bewerten, lässt sich die galvanische Erregbarkeit auch wie folgt prüfen. Es werden nacheinander folgende Werte ermittelt : |
Rheobase
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Mindeststromstärke bei Rechteckimpulsen von 1000 ms Dauer (R = 2000 ms), die zu einer Minimalzuckung führt. Die Elektrodenanlage erfolgt direkt bipolar, die Kathode liegt distal. |
Akkommodations - Schwellenwert (Acc)
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Mindeststromstärke bei Dreieckimpulsen von 1000 ms Dauer (R = 2000 ms), die zu einer Minimalzuckung führt. Die Elektrodenanlage erfolgt direkt bipolar, die Kathode liegt distal. |
Akkommodabilität
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Bezeichnet die Anpassungsfähigkeit eines Muskels an langsam zunehmende Stromstärke. Bewertet wird ein sogenannter Akkommodationsquotient, der aus dem Wert der Rheobase und dem Akkommodations - Schwellenwert gebildet wird. |
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| Akkomodationsquotient |
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Bewertung |
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| 3 bis 6 |
» |
Normalstatus |
| kleiner als 3 |
» |
schlaffe Entartung |
| 3 bis 1,5 |
» |
partielle, schlaffe Entartung |
| kleiner als 1,5 |
» |
totale, schlaffe Entartung |
| grösser als 6 |
» |
gesteigerte Erregbarkeit |
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Chronaxie
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Kürzeste Impulszeit bei Rechteckimpulsen und doppelter Rheobasenstromstärke, die zu einer Minimalzuckung führt. Die Elektrodenanlage erfolgt direkt bipolar, die Kathode liegt distal (R = 2000 ms). |
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| Chronaxiewerte |
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Bewertung |
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| 0,2 bis 1 ms |
» |
Normalstatus |
| 1 bis 7 ms |
» |
noch faradisch reizbar |
| grösser als 10 ms |
» |
schwere Entartung |
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8.2.3. Therapieströme entsprechend der Reaktion der Muskulatur
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| Zustand der Muskulatur |
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Impulszeit |
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Pausenzeit |
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| schwerste Entartung |
» |
400 -600 ms |
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2000 - 5000 ms |
| schwere Entartung |
» |
150 -400 ms |
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1000 - 3000 ms |
| mittlere Entartung |
» |
50 - 150 ms |
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500 - 1000 ms |
| geringe Entartung |
» |
10 -50 ms |
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50 - 150 ms |
| Normalstatus |
» |
0,5 - 1 ms |
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20 ms |
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| Die Therapie erfolgt mit direkt bipolarer Elektrodenanlage mit Exponentialimpulsen, die entsprechend der EAR und dem Therapiefortschritt eingeregelt werden. Das Ziel ist es, die Dauer der (reizwirksamen) Einzelimpulse zu verringern, bis eine Stimulation mit neofaradischen Strömen möglich ist. Dann sollte auch die Stimulation mit anderen, muskelstimulierenden Reizströmen (z. B. bipolarer Impulsstrom, AMF-Strom oder Hochvoltstrom mit geeigneter Frequenz) versucht werden. |
8.3. Reizstromdiagnostik und -therapie mit Erstellung einer I/t - Kurve
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Die I/t - Kurve ist eine graphische Darstellung der Beziehung zwischen Reizstärke und Reizzeit. Sie dient zur Bewertung von : |
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| » |
dem Funktionszustand des Muskels und des motorischen Nerven |
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| » |
Veränderungen des Funktionszustandes des Muskels in Verlauf der Therapie |
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| Zur Erfassung der Messwerte dient ein entsprechendes Formblatt, in das in Form eines Koordinatensystems die zu den, horizontal abgetragenen, Impulszeiten (t-Werte) ermittelten Stromstärken (I-Werte) vertikal eingetragen werden. Es werden so zwei charakteristische Kurven erstellt, aus deren Verlauf sich die gesuchten Werte ablesen lassen. |
Rechteckimpulscharakteristik (RIC)
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Ausgehend von der Rheobase (1000 ms) wird die Impulszeit immer weiter verringert und die jeweilige Mindeststromstärke, die zu einer Minimalzuckung führt, notiert. |
Dreieckimpulscharakteristik (DIC)
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Ausgehend vom Akkommodations - Schwellenwert (1000 ms) wird die Impulszeit immer weiter verringert und die jeweilige Mindeststromstärke, die zu einer Minimalzuckung führt, notiert. |
Aus diesen beiden Kurven lassen sich die folgenden Werte ermitteln :
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Der Chronaxiewert, der sich direkt aus der Rechteckimpulscharakteristik ablesen lässt. |
| Der Akkommodationquotient (AQ) wird aus den Werten von Rheobase und Akkomodations - Schwellenwert errechnet. |
| Die sogenannte Nutzzeit, das ist die Minimalzeit für einen Rechteckimpuls, der bei Rheobasenstromstärke zu einer Minimalzuckung führt, wird aus der Rechteckimpulscharakteristik abgelesen. |
| Die günstigste Impulsdauer (GI), das ist diejenige Impulszeit für Dreieckimpulse, bei der zur Auslösung einer Minimalzuckung die geringste Stromstärke benötigt wird, lässt sich aus der Dreieckimpulscharakteristik ablesen. |
| Das sogenannte therapeutische Dreieck ergibt sich durch Verbindungslinien durch Rheobase, Akkommodations - Schwellenwert und Nutzzeit. Im Bereich des therapeutischen Dreiecks ist der günstigste Behandlungsimpuls zu suchen. |