Gerald WEIBL - geb. am 21.07.1957 - Kurze Krankengeschichte Beruf: EDV-Systemanalytiker Familienstand: verheiratet, 2 Kinder - (Familienleben OK) Nichtraucher Alkohol nur zu div. Anlässen in den letzten Jahren wenig bis fast kein Sport Streß: phasenweise mittel bis manchmal stark Körpergröße: 1.85 Gewicht 95 Kg Am Montag dem 24. Juni 1996 begann ich mit einer Trink-Diät (Forsana Trinkmahlzeit) mein Gewicht von ca 97 kg zu reduzieren. Pro Tag nahm ich ca.400 bis 600 Kalorien zu mir. In den ersten Tagen fühlte ich mich sehr gut, ja sogar agiler und gar nicht mehr so abgeschlagen und müde am Abend wie in den Tagen davor. Am Freitag dem 28. Juni fiel mir am Abend auf, daß ich vereinzelt seitlich wankte. Mittlerweilen hatte ich erst 3 Kg abgenommen. Ich führte dies auf einen eventuellen Kalorien oder Vitaminmangel meines Körpers zurück, und begann daher tags darauf wieder mit einer Normalkost. Am Sonntag dem 30.Juni nach dem Aufstehen fühlte ich mich jedoch nicht gut(appetitlos,leichte Übelkeit). Ich nahm eine kreislaufbelebende Tablette da ich prinzipiell einen niederen Blutdruck habe, und hatte mittags dann schon wieder normalen Appetit. Am Nachmittag trat dieser leichte "Schwankschwindel" dann schon immer häufiger auf (nur beim Gehen) was aber mein Allgemeinbefinden noch nicht beeinträchtigte. Am Montag dem 1. Juli um 5:00 Uhr nach dem Aufstehen, war dieser "Schwankschwindel" sehr ausgeprägt und mich überfiel nach wenigen Schritten große Übelkeit. Ich war total abgeschlagen und müde als hätte ich tagelang nicht geschlafen. Schon das Offenhalten der Augen ermüdete mich extrem. Meine Frau chauffierte mich dann zu unserer Hausärztin Dr. Brauner welche sämtliche Routinechecks vornahm(Blutdruck,EKG,Zucker) aber nichts negatives feststellen konnte. Was mich persönlich sehr verwunderte war, daß ich bei der von Dr.Brauner durchgeführten Blutdruckmessung einen für mich sehr hohen Blutdruck von 145/85 hatte. Am Montag dem 1.Juli. und Dienstag den 2. Juli wollte ich nichts außer schlafen und hatte auch absolut keinen Appetit. Bei meinen kurzen Wegen in unserer Wohnung war dieser Schwankschwindel oder vielleicht besser diese Gleichgewichtsstörung extrem ausgeprägt. Am Mittwoch dem 3. Juli 1996 zwang ich mich dann aber, obwohl ich keinen Appetit hatte zur Nahrungsaufnahme und mit dem Essen kam auch der Appetit. Ich nahm auch sehr viele Vitamine zu mir und begann mich immer besser zu fühlen. Am Freitag den 5.Juli fuhr ich dann auch schon mit dem Auto zu einer Untersuchung zu einem HNO-Arzt (Überweisung von Dr.Brauner-Morbus meniere ?) der meinen Ohren aber nur das beste Zeugnis ausstellen konnte. Auch die Blutuntersuchung, durchgeführt von Frau Dr. Brauner ergab einen sehr guten Befund. Ich verspürte zwar von Tag zu Tag eine Verbesserung meines Gleichgewichtsgefühls, hatte auch beim Gehen keine Seitenschwankungen mehr, aber ich mußte mich noch bei fast jedem Schritt ziemlich konzentrieren, speziell in der Dunkelheit, wandelte ich so wie etwa nach dem Konsum einer geringen Menge Alkohol dahin. Meine allgemeine Verfassung verbesserte sich in den darauf folgenden Tagen zwar kontinuierlich, aber ich wurde nicht 100 prozentig wieder der "Alte". Da ich in meinem Beruf geistig gefordert bin (EDV-Systemanalytiker), kommt es bedingt durch meine mangelnde geistige Fitness zu einer leichten Beeinträchtigung in meinen beruflichen Aktivitäten. Diese Situation veranlaßte mich dann Anfang August,also ca 5 Wochen später, eine Computertomographie bzw. danach ein MRI durchzuführen. Folgende Symptome treten seitdem nun ab und zu im Laufe des Tages auf (Situation August 96): Am Morgen nach dem Aufstehen fühle ich mich sehr gut. Manchmal ein leichtes gewisses überhöhtes Druckgefühl im Vorderkopf - im Bereich der Stirn,Augen,Nasenwurzel.(Keine Kopfschmerzen ), aber nur bei längerer geistiger Anstrengung. leichte Konzentrationsschwierigkeiten die geistige Reaktionszeit ist etwas verlangsamt. Nicht voll belastbar. leichte Gedächtnisprobleme vereinzelt ganz leichte rethorische Probleme (ab und zu leichte Kopfschmerzen (eher selten) vereinzelt vom linken Auge ausstrahlender leichter Druck. Schnellere Ermüdbarkeit als früher. Leichte Einschränkung meiner geistigen Flexibilität. Zusammengefaßt kann man von einer leichten Beeinträchtigung meines Lebens sprechen, im speziellen von meiner "Gehirnathletik". Bisher durchgeführte Untersuchungen: sämtliche neurologische Standarduntersuchungen [OK] Belastungs EKG [OK] CT MRT Ultraschall Herz-Echo [OK] EEG [OK] Ultraschall Halsvenen [OK] allg.Blutuntersuchung [OK] Blutuntersuchung (Entzündungsparameter) [OK] Nachdem ich am 2. Oktober 1996 mit meinen Problemen und Befunden in der Ordination des Primares der Wiener Neustädter Neurologischen Abteilung Dr. Soukop auftauchte, erhielt ich von Ihm die wie sich später herausstellte richtige Diagnose, daß es sich bei meiner Krankheit um kein vaskuläres Ereignis handelt, sondern ein chronisch entzüdlicher Entmarkungsprozeß der Auslöser dafür ist. "Stellen Sie sich ein Schild auf den Schreibtisch wo darauf steht Ich bin gesund. Sie haben nichts. Sollte aber wieder einmal so eine Gleichgewichtsstörung oder ein anderes Symptom auftreten, dann kommen Sie in die Neurologische Abteilung in Wiener Neustadt und wir werden Sie mit einem Cortisonstoß wieder auf die Höhe bringen " Außerdem empfahl er mir, eine Zeckenimpfung in nächster Zeit zu unterlassen. Die Medikamente welcher er mir verordnete (Neurobin und Nootropil) wirkten sich äußerst positiv auf meine Beschwerden (Gedächtnisprobleme bzw. Schmerzen des Nervs oberh. des linken Auges) aus. Von den Zusammenhängen in Richtung MS hatte ich zu diesem Zeitpunkt absolut keine Ahnung. Ich bemerkte daß ich des öfteren in eine leicht depressive melancholische Stimmung verfiel. Für mich war dieser Stimmungsverfall eher unerklärich. Im Jänner 1997 hielt diese depressive Phase über mehrere Tage an. Am Montag den 13. 1. 1997 war ich dann völlig erledigt und erschöpft und wollte nur mehr ins KH um diesen Zustand endlich aufzuklären und behandeln zu lassen. Nach einer Woche in der Neurologischen Abteilung des KH Wiener Neustadt wo ich einige Untersuchungen über mich ergehen ließ (u.a. Lumbalpunktation) wurde nur gesagt "...es geht in die Richtung die wir vermuten " Ich hörte nur immer die Phrasen "demyliessierender Prozeß" und "erhöhte Eiweißwerte im Liquor". Auf meine Frage ob es was Ernstes sei wurde mir gesagt "nein nein machen Sie sich keine Sorgen". OK. Als ich also schon etwas besser in Stimmung aus dem Krankenhaus nach Hause fuhr, ging ich zu meiner Hausärztin um mir das im Krankenhaus verordnete Antidepessiva "Deanxit" verschreiben zu lassen. Die Hausärztin las sich meinen Entlassungsbefund(für mich in unverstädlichem Latein) durch und bemerkte abschließend zu mir : "Also es war diesesmal kein neuer Schub". Was heißt hier Schub??? MS ! Was ist MS?? Als Sie bemerkte das Sie es mit einem nichtsahnenden zu tun hatte beendete Sie das Gespäch. Ich stürzte mich zu Hause angekommen sofort auf unser etwas älteres Buch (ca. 20 Jahre alt) Gesundheit und Medizin und mußte einen nach heutigen Stand der Wissenschaft und Medizin eher "Horrorartikel" über Multiple Sklerose" lesen. Währenddessen ich den Bericht noch las begann ich fürchterlich zu heulen. Ich wußte nun gar nichts mehr. Die in dem Buch beschriebenen Symptome stimmten ziemlich mit den Meinen überein. Also das war die erste Konfrontation mit MS. Ich mußte dann eine Woche später wieder in das Krankenhaus zur Befundbesprechung (Liquor-olegonale Banden) Bei meinem Anruf im KH ob der letzte Befund schon eingelangt sei sagte mir die Oberschwester am Telefon:"Ja,und ich kann Ihnen die freuduge Mitteilung machen - negativ" Am liebsten hätte ich die ganze Welt umarmt. Also doch keine MS. Am schnellsten Weg fuhr ich ins KH wo ich einen Termin mit dem OA zur Besprechung hatte. Glücklich und zuversichtlich betrat ich das Zimmer. "Ja Herr Weibl, Sie haben MS". "Aber....der letzte Befund ist doch negativ !!!!" "Das sagt überhaupt nichts aus. Seien Sie aber froh es ist auch ein Gehirntumor zur Diskussion gestanden" So jetzt war ich also offiziel vom OA informiert worden. MS!!! Ich wollte es aber einfach nicht akzeptieren. Stimmung : Nullpunkt Fortsetzung folgt:Wenn ich wieder Zeit habe schreibe ich die folgenden 2 Jahre nieder. (Es hat sich einiges getan - 2 bis 3 Schübe Interferon beta 1A, Bekanntschaft mit unfähigen Ärzten etc.)